Call for Papers


EXTENDED - Call for Abstracts/Articles

 

Yearbook of Moving Image Studies

»Trilogy of Synthetic Realities I: Virtual Images« (2020)

 

 

Deadline for Abstracts: February 28, 2020

Deadline for Articles: July 17, 2020

 

 

The double-blind peer-reviewed Yearbook of Moving Image Studies (YoMIS) is now accepting articles from scientists, artists, designers, developers and film makers for the fifth issue, which is the first part of the »Trilogy of Synthetic Realities« concept, entitled »Trilogy of Synthetic Realities I: Virtual Images«. The issue in 2021 will focus on »Augmented Images« and 2022 will address »Mixed Reality Images«. YoMIS will be enriched by disciplines like media theory, film studies and philosophy, art and design, artistic research, image science, semiotics, phenomenology, art history, game studies, visual culture studies, computer graphics and other research areas related to the moving or moved image in general. 

Do we live in the age of Baudrillard’s hyper-reality? What’s about our impression that the boundaries between our physical reality and the rising digital realities are fading? Immersive technologies like virtual reality, augmented reality and mixed reality – summed up under the concept of synthetic realities – allow and demand a completely novel form of interaction and corporeal relation to and with the virtual images and digital objects. Working and living in synthetic realities is challenging our thinking about immersive media technologies and virtual images.

Therefore, »Trilogy of Synthetic Realities I: Virtual Images « will address the possibilities of virtual synthetic images that are already challenging and enriching our life’s in ways, only science-fiction movies, comics and novels thought of before. Thus, contributions for the issue of the Yearbook of Moving Image Studies should concentrate on virtual images and visuo-virtual-multimodal artefacts, specific virtual media technologies, graphic representations or different material interfaces of virtual reality. Topics should focus on (but are not necessarily limited to) virtual images as perceptual artefacts, virtual reality as a simulation and a technology that is enabling possible spaces and virtual story worlds, like impossible architecture in physic-less continua; the different aspects of aesthetics, perception and communication of and in virtual realities, the new forms of interaction and narration in 360° VR environments; the processual dynamic of virtual images; embodied and embedded interaction and cognition, effects and degrees of the so-called body ownership illusion, the phenomenology or semiotics of the avatarial body and the sensory and perceptual effects on the physical body in virtual landscapes.

 

The official deadline for abstracts is February 28, 2020. The anonymous review feedback will be given in March 2020. Long abstracts should be 600 to 900 words in length. Please send a short biography, contact details and your abstract to Prof. Dr. Lars C. Grabbe and Prof. Dr. Patrick Rupert-Kruse via: contact@movingimagescience.com. The official deadline for the complete articles is July 17, 2020.

 

The articles should be 5.000 to 7.000 words in length. If you are interested to contribute an abstract and article you will find a style sheet online: www.movingimagescience.com. If you have any questions, please do not hesitate to contact the managing editors via mail.


Technik-Ästhetik. Zur materialen und rezeptiven Systematisierung techno-ästhetischer Realität.

 

Interdisziplinäre Tagung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg am 17. und 18. September 2020 Veranstalter:

 

Prof. Dr. Oliver Ruf (IMEA, Institut für Medienentwicklung und -analyse, H-BRS);

Prof. Dr. Lars C. Grabbe (MSD, Münster School of Design, FH Münster)

 

Call for Papers

Von Technik und Ästhetik zu sprechen, heißt, sich bereits begrifflich auf ein Feld einzulassen,

das mindestens zwei divergente Perspektiven gemeinsam denkt und wenigstens aber

verschobene Blickwinkel auf das zentrierte Phänomen auf je eigene Weise sowie mit je eigenen

Ansprüchen diskutiert. Dabei haben das Technische wie das Ästhetische, so die Ausgangsthese,

die Bedeutung einer Interdependenz aufzuweisen. Das Technische wird Funktionen, Formen,

ästhetische Urteile und Gebrauchsaspekte konstituieren können – als ästhetischer und

multimodaler Wahrnehmungskatalysator –, der über exterozeptive sensorische Dimensionen,

wie Haptik, Taktilität, Visualität, Audition, Olfaktorik und Gustatorik, ebenfalls auch

interozeptive Sinne zu adressieren vermag. Ästhetische Zustände als zeichenhafte Realisierungen,

als quasi-sakrale und phantasmatische Urteile oder wahrnehmungsvermittelte Phänomene des

Erscheinens sind dadurch ebenso denkbar wie es möglich wird, dass besitzergreifende und

pragmatische Bewegungen und Zeichenkonstellationen aufgerufen werden. Doch es kann, wie

es bereits bei Roland Barthes heißt, der Eindruck eines »technischen und sehr menschlichen

Vorgang[s] der Bearbeitung« zurückbleiben. Es entsteht gleichwohl eine Bewegung, die vom

Anderen zum Einen leitet, eine Art Verkopplung und intrinsische Dynamik qua ästhetischer

Evokation. Dadurch gewinnen Technik und Ästhetik eine weitere Rollenzuschreibung, die auf

der einen Seite nach einer sich wandelnden Einstellung zum technischen Ding fragt und auf der

anderen Seite sich, wie es Gilbert Simondon zeitgleich zu Barthes versucht, für die besondere

Seins- und Existenzweise dieser Art von Ding interessiert: »Nicht › Was ist die Technik?‹, sondern

› Wie ist die Technik?‹, d. h. in welchen performativen Gestalten und Handlungsakten

verwirklicht und erhält sie sich? Wie kommt es zur Herausbildung von Werkzeugen,

Instrumenten und Maschinen einerseits und Fabriken, Laboratorien, Netzwerken andererseits?

Das beinhaltet auch die Frage nach dem Wo: In welchen Umgebungen und Zusammenhängen

siedeln sich die technischen Dinge an, welche Landschaften werden für sie, aber ebenso von

ihnen geschaffen? Dann folgt die Frage nach dem Wer, dem Menschen, der mit diesen Dingen

umgeht – sei es auf konstruktive oder konsumtive Art, sei es individuell oder kollektiv, sei es

unwissend oder informiert. [...] Abschließend [...] das Problems des Wann [...], die Frage nach

den Seinsweisen, die der Technik vorausgehen und ihr gegenüberstehen sowie der ihr eigenen

Zeitlichkeit.« (Schmidgen 2012, 118f.)

 

 

Technik und Ästhetik antworten, so ließe sich sagen, auf eine Indienstnahme von

Objektivationen innerhalb kultureller Prozesse, als Ressourcen und Revitalisierungen dieser

Fragen, etwa wenn es mit Bezug auf Bernhard Stiegler um die Prämisse geht, dass »der Mensch

stets technisch« (Hansen 2003) sei oder dass die Technik stets gegebenen und zu gebenden

Zwecken als eine »Strukturierung von Zwecken« (Nancy 2011, 56) dient. Es sei auch an Ernst

Cassirer gedacht, der das spezifisch Symbolische als menschliche Kategorie des animal

symbolicum charakterisiert (Cassirer 1990). Das Technische wird solcherart immer wieder neu in

menschlicher Erfahrungspraxis fundiert und generiert selbst wiederum vielfältige kulturelle

Formen, Ausprägungen und Praktiken, denen das Prädikat von etwas Ästhetischem allzu oft zu

eigen ist.

 

Wenn Jacques Rancière vom (hier) Ästhetischen als Modus einer »Aufteilung des Sinnlichen«

spricht, bei dem »ein Rahmen der Sichtbarkeit und Intelligibilität« die »Dinge oder Praktiken

unter einer Bedeutung vereint«, dann entsteht eine »Gemeinschaft des Sinnlichen«, für den

»Raum und Zeit auf bestimmte Weise eingeteilt und dadurch Praktiken, Formen der Sichtbarkeit

und Verstehensmuster miteinander verknüpft werden.« (Rancière 2006, 25f., 71) Angesprochen

ist damit eine spezifische Wesensbestimmung des Ästhetischen, nämlich stets im sinnlichrezeptiven

Kontext stattzufinden, das kontingente und material-ästhetische Bedingungen

anspricht, die das Denkbare und Wahrnehmbare vom ungedacht und ungesehen Bleibenden

unterscheiden. Als eine solche Bedingung erweist sich das Technische: Aus dieser Möglichkeit

resultiert schließlich die Vorannahme, deren Tragfähigkeit es im Rahmen der geplanten Tagung,

unter dem Schlagwort einer Technikästhetik, interdisziplinär zu überprüfen gilt: Ist diese (a)

Ergebnis technischer und technologischer Aus- und Verhandlungen, einer (b) basalen

Affizierung von Aus- und Eindrucksweisen, (c) eine Bipolarität, die als Strukturmerkmal das

Erfahren, das Erfahrenwerden und das Erfahrene schlechthin nach der einen oder der anderen

Seite entfaltet oder (d) eine konstitutive Interdependenz, einer Hervorbringung jeglicher Ästhetik

auf den Prämissen einer progressiven Technizität? Ist hier vielleicht auch ein »Unbehagen«

und/oder eine »Widerständigkeit« aufgerufen, von dem wiederum auch Rancière schreibt (vgl.

Rancière 2008a+b)? Handelt es sich in der Konfrontation und im Zusammenspiel mit Technik

um ästhetische Regime, womöglich auch um »Designregime« (Ruf 2019)? »Das Prinzip des

ästhetischen Regimes ist zunächst, dass die Schönheit gleichgültig gegenüber der Qualität des

Sujets ist«, schreibt Rancière: »Was die neue Schönheit annulliert, ist das System durch welches

Körper Zeichen präsentierten, die Gedanken oder Gefühle übersetzten, Handlungen

zusammenfassten usw.« (Rancière 2008b, 51). Oder geht es im Zeitalter des Digital Turn

vielleicht auch um ein Neudenken von Schönheit, deren Sinn sich erst in der Verkörperung durch

das Mediale ergeben könnte, wobei sie dann weniger als Ziel, sondern vielmehr als produktive

Performanz des Technischen zu beschreiben wäre?

 

Der hier vorgeschlagene Begriff des Technikästhetischen soll mithin Anlass der diskursiven

Verständigung und Überprüfung sein. Zu diskutieren wären dazu sowohl technikphilosophische

wie kunst- und designtheoretische, phänomenologische, semiotische wie anthropologische

Fragestellungen, aber auch medienkulturwissenschaftliche, psychologische,

wahrnehmungstheoretische sowie soziologische Annäherungen.

 

 

Die Tagung möchte also den Fokus auf ganz unterschiedliche Negotationen richten, um von hier

aus divergente Perspektiven zusammenzuführen und das anvisierte Gegenstandsfeld zu erhellen

respektive in einen konstruktiven Antworthorizont zu stellen. Die Kartierung der Tagung betrifft

denn auch ein solches Gespräch zwischen Disziplinen bzw. zwischen Theorie(n) und

Anwendung(en). Potentielle Themen für die einzelnen Vorträge lauten u.a.:

 

o Technikfolgen und Ästhetik

o Technikproduktion und Ästhetik

o Technoregime/Ästhetiksysteme

o Wahrnehmung, Technologie und Ästhetik

o Verkörperungstheorien der Technologie und Ästhetik

o Ästhetische Transfers des Analogen und Digitalen?

o Von der Ethik der Informatik zur Ästhetik Künstlicher Intelligenz

o Ästhetik des Erscheinens und Ästhetik der Zeichenhaftigkeit

o Konzepte des Technischen und Ästhetischen im Vergleich

 

Die Vorträge sollten 30 Minuten umfassen, so dass 15 Minuten zur Diskussion verbleiben.

Die Vortragssprache ist Deutsch.

 

Reise- und Unterbringungskosten werden übernommen.

 

Eine Veröffentlichung der Beiträge wird zeitnah in Form eines Sammelbandes in der Reihe

»Medien- und Gestaltungsästhetik« im transcript-Verlag Bielefeld erfolgen.

 

Vortragsvorschläge in Form eines Abstracts (maximal 5.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) plus

Vortragstitel sowie kurze bio-bibliographische Angaben werden bis zum 31. Dezember

2019 erbeten an die beiden Veranstalter.

 

Meldungen von Nachwuchswissenschaftler*Innen sind besonders willkommen.

 

Prof. Dr. Oliver Ruf, Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, FB 03: IMEA – Institut für

Medienentwicklung und -analyse (H-BRS), oliver.ruf@h-brs.de

 

Prof. Dr. Lars C. Grabbe, Fachhochschule Münster, FB 07: MSD – Münster School of Design

(FH Münster), l.grabbe@fh-muenster.de