Konferenzen PAST



2011

 

Bewegtbilder. Grenzen und Möglichkeiten einer Bildtheorie des Films. Filmbildwissenschaftliche Tagung in Kiel vom 24. bis 25. November 2011.

 

Im aktuellen Diskurs der bildwissenschaftlichen Forschung steht vor allem das statische Bild im

Zentrum des Interesses, während dem Bewegtbild bzw. dem Film bisher noch wenig Aufmerksamkeit

zugekommen ist. Das Phänomen des filmischen Bildes im Kontext einer Bildwissenschaft erfassen zu

wollen, stellt sich bei genauerer Betrachtung jedoch als ein kompliziertes Unternehmen heraus, das

unausweichlich an die Grenzen des Bildbegriffs zu führen scheint.

Inwiefern eine Bildtheorie des Filmes möglich sein kann, soll innerhalb der Tagung „Bewegtbilder.

Grenzen und Möglichkeiten einer Bildtheorie des Films“ ausgelotet werden. Sieht man den Film oder

das filmische Bild im weitesten Sinne als ein intermediales, multimodales und multicodales

Repräsentationsfeld, das innerhalb verschiedener Dimensionen potentiell Schrift enthalten kann,

potentiell visuell und/oder auditiv ist und potentiell Bewegung darstellen kann, wird schnell erkenntlich,

dass man sich diesem Phänomen innerhalb einer Bildwissenschaft auf ganz unterschiedliche Arten

nähern kann. Eine grobe Unterteilung des Problemfeldes in folgende Dimensionen scheint sich

anzubieten:

  • Die technische Dimension des filmischen Bildes
  • Die Wahrnehmungsdimension des filmischen Bildes
  • Die kontextuelle Dimension des filmischen Bildes

Daraus ergeben sich für die Tagung denkbare – aber nicht darauf begrenzte – Herangehensweisen

oder Themenkomplexe wie Untersuchungen zum Verhältnis von Bildstruktur und Dispositiv (z.B. TV,

3D, Fulldome), Vorträge zum Problem des Bildbegriffs in Bezug auf eine Filmbildtheorie, Studien zum

Aufbau der komplexen Einstellung, Analysen von Repräsentationsmodalitäten, Bildfehlern und

Bildmodulationen, Ausarbeitungen zu einer Typologie filmischer Bilder (z.B. Einstellungsbild,

szenisches Bild, filmische Interpunktionen) uvm.


2012

 

Bewegtbilder 2012. Film als multimodales Phänomen und Synkretismus. Filmbildwissenschaftliche Tagung in Kiel vom 6. bis 7. Dezember 2012.

 

Grenzt man das filmische Bewegungsbild von statischen Bildkonzepten ab, dann zeigt es sich im weitesten Sinne als ein intermediales, multimodales und multicodales Repräsentationsfeld, das innerhalb verschiedener Dimensionen Schriftbildlichkeit enthalten kann, potentiell visuell und/oder auditiv ist, potentiell Bewegung darstellen kann und über eine eigene Zeitdimension verfügt. 

Der besondere Aktions- und Wirkungsradius, der das filmische Werk auszeichnet, verweist auf ein komplexes System von Sinn- und Bedeutungsbezügen, die gleichermaßen von materialen Eigenschaften, variablen Codierungen, perzeptiven Strukturen und rezeptiven Bedingungen abhängig sind.

Es sind die technisch-multimodalen Strukturelemente , denen man besondere Aufmerksamkeit widmen muss, um die synkretistische Tiefendimension der filmischen Bildwirkung adäquat beschreiben zu können.

 

Eine grobe Unterteilung des Problemfeldes in folgende Dimensionen scheint sich

anzubieten:

  • Die technisch-multimodale Dimension des filmischen Bildes
  • Die historische Entwicklung von filmischen Codestrategien
  • Das Verhältnis von Intermedialität, Multimodalität und Multicodalität
  • Das Verhältnis von Wahrnehmungsleistung und Decodierung
  • Film als synkretistische Vermischung von kulturellen Strategien und Codes
  • Filmischer Wirkungsradius und Narrativität des filmischen Bildes

Daraus ergeben sich für die Tagung denkbare – aber nicht darauf begrenzte – Herangehensweisen oder Themenkomplexe: Untersuchungen zur Funktion von multimodalen Bildelementen (z.B. Soundscore, Filmmusik, Sprache, 3D, Fulldome), Vorträge zum Problem der historischen Entwicklung filmischer Codestrategien, Fragen zum Spannungsverhältnis von Wahrnehmungspotentialen und Decodierungsstrategien, Analysen von Repräsentationsmodalitäten, Bildfehlern und Bildmodulationen, Filmisches Bildverstehen als kulturell-rezeptive Strategie (Genrewissen, Stereotype, Affektbilder), Ausarbeitungen zu einer Typologie filmischer Bildwirkung (z.B. Bild-Ton-Synthesen, Schriftbilder, filmische Interpunktionen) und zentrale Differenzen von filmischen Bildern und statischen Bildern uvm. 


2012

 

Tagung des DFG-Netzwerks Bildphilosophie. Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). "Auf dem Sprung zum dynamischen Bild. Folge, Serie und »philosophical toy«". Freitag, 02. März 2012 auf dem Campus der Fachhochschule Kiel

 

 

Konstitutiv für den modernen Bildbegriff ist es, dass er sowohl statische als auch dynamische

Bildtypen beinhaltet. Handelt es sich bei Gemälde, Dia oder Fotografie um statische

Bildtypen, so sind Kinematographie, Fernseh-, Video-, Computerspielbilder unter die dynamischen Bildtypen zu rechnen, die über die Modalitäten Zeit, Bewegung und Raum verfügen. Hier findet sich ein von technischen Apparaturen, spezifischen Materialitäten und handwerklichen/künstlerischen Verfahren determiniertes Spannungsfeld, das auch spezifische Rezeptionssituationen umfasst. Thema der Tagung wird es sein, dieses Feld und vor allem seine ontologischen, sinnlichen und semiotischen Modalitäten zu erschließen.


2013

 

Bewegtbilder 2013. Interfaces und Dispositive (interaktiver) Bewegtbilder. Filmbildwissenschaftliche Tagung in Kiel vom 5. bis 6. Dezember 2013.

 

Im Kontext sowohl historischer als auch aktueller medien- und bildwissenschaftlicher Forschung stellt sich wiederholt die Frage nach den Strukturen der sinnlichen Adressierung des Rezipienten durch die – zumeist multimodalen – Bildmedien und damit nach den medialen Strategien der jeweiligen Interfaces. Diese sind einerseits an die ästhetische Form der Darstellung und andererseits an die dispositiven Strukturen des Bildmediums gebunden. Unter Dispositiv ist dabei das räumliche und technische Arrangement der einzelnen Elemente des Mediums zu verstehen, die das Bild und den Betrachter miteinander verbindet und damit Anteil hat an den Wirkungen bzw. Effekten des Bildes. Damit ist es das Verhältnis von Interface und Dispositiv das den Realitätseffekt oder die Immersivität filmischer und interaktiver Bilder bestimmt. Dies lenkt den Fokus auf  den Versuch der Produktion einer totalen Wirklichkeitsillusion und damit eine Aktivierung sowohl der Fern- als auch der Nahsinne durch das Medium (z.B. stereoskopes 3-D, 4-D Kino; Simulatoren, VR-Brillen, CAVE, Gestensteuerung usw.), durch die das Dargestellte bzw. Erlebte an Realismus und Plastizität gewinnen soll. Diese vor allem technologischen Strategien der Interfaces und Dispositive induzieren eine Transformation des Bildes, während welcher der Betrachter von einem rein symbolischen in einen immersiven oder dezeptiven Modus der Bildverwendung bzw. -Wahrnehmung wechselt. 

 

Im Fokus der Tagung stehen somit die technische und die Wahrnehmungsdimension des Bewegtbildes und deren Einfluss auf dessen Wirkung. Konzentrierten sich die vorangegangenen Tagungen noch auf das Einzelphänomen des filmischen Bewegtbildes, soll die aktuelle Tagung diesen Fokus öffnen und sich ebenfalls auf interaktive bzw. Computerspielbilder richten. Die Verbindung dieser beiden Bewegtbildmedien ergibt sich, weil sowohl der Film Konzepte und Prinzipen aus dem Computerspiel ästhetisch realisiert, und dies ebenfalls umgekehrt der Fall ist. Aufgrund dieser augenscheinliche formalen oder transmedialen Intermedialität scheint die komplexe mediale Konfiguration, in der diese Bewegtbildanwendungen stehen, eine breitere Herangehensweise an das Phänomen des Bewegtbildes sinnvoll zu ermöglichen. Durch die Differenzen dieser unterschiedlichen medialen Strukturen (Film vs. Computerspiel) könnte es möglich werden, Bausteine für eine allgemeine Bewegtbildwissenschaft, aber auch für eine kritische Bewegtbildwissenschaft herauszuarbeiten.


2014

 

Bewegtbilder 2014: Kognition – Repräsentation – Verkörperung. Bewegtbildwissenschaftliche Tagung auf dem Campus der Fachhochschule Kiel am 20. und 21. November 2014.

 

Theorien der Verkörperung des menschlichen Bewusstseins problematisieren und modifizieren das Denken über unser Verhältnis zur Umwelt. Vor allem im internationalen philosophischen und kognitionspsychologischen Diskurs erleben die Überlegungen zur embodied cognition (vgl. Lakoff & Johnson 1980; Clark 1997; Gallagher 2005), extended oder embedded mind (Haugeland 1995; Clark & Chalmers 1998), zur multimodality of perception (vgl. Nanay 2013) und zum Enaktivismus (vlg. Varela/Thompson/Rosch 1991; Noë 2004) momentan einen nie dagewesenen Aufschwung.

Im Kontext aktueller Entwicklungen der digitalen Medientechnologien – immersive und interaktive Medien, VR-Displays, AR-Applikationen, neuartige Interfaces usw. – wird daher sowohl im theoretischen als auch im anwendungsorientierten Bereich die Rolle des Körpers bzw. des Leibes mit neuer Verve betont. Verschiedene empirische Untersuchungen in diesen Bereichen weisen darauf hin, dass innerhalb der Analyse der Prozessierung von medial vermittelten Sinnesdaten sowohl dem Leib als auch dem Mentalen eine aktive und dominante Schnittstellenfunktion zugewiesen werden muss. Diese beiden ›Systeme‹ sind es, die zwischen dem multimodalen Reizmuster der bewegten Bilder und dem Verstehen und Erleben dieser Bilder vermitteln.

Im Fokus der Tagung steht die Interaktion zwischen Medium und Wahrnehmung des Bewegtbildes, die über ihre Verbindung mit somatischen, neuronalen und mentalen – also verkörperten – Prozessen erfasst und analysiert werden kann. Daraus lässt sich die namensgebende Trias Kognition – Repräsentation – Verkörperung ableiten, über welche die Erlebnisdimensionen und Sinnhorizonte audiovisueller Artefakte beschreibbar werden. Damit einher gehen Fragen nach einer phänomenologischen und/oder semiotischen Analyse verkörperter Rezeptionsprozesse des Visuellen, den Zusammenhängen zwischen Theorien der Verkörperung und der Struktur bewegter Bilder wie Filmen oder Computerspielen, nach medialen affordances der dargestellten Objekte bewegter Bilder, der Relationalität externer und interner Repräsentationen, der Rolle der sensomotorischen Koppelung von Rezipient und interaktivem Bild, der Bildkompetenz künstlicher Intelligenzen, der Beteiligung des Leibes oder des Körperschemas bei der Erzeugung von und Interkation mit Bildern, der Anwendbarkeit und Reichweite von Bildakttheorien und Ansätzen der embodied simulation in Bezug auf bewegtbildliche Repräsentationen.


2015

 

Bewegtbilder 2015: Perzeption – Rezeption – Interaktion. Spielarten und Ausprägungen der Verarbeitung von Medienbildern. Bewegtbildwissenschaftliche Tagung in Kiel am 19. und 20. November 2015.

 

In der menschlichen Wahrnehmung, Prozessierung und Speicherung bewegter Bildtypen – seien sie interaktiv oder nicht – spielen die Systeme des Mentalen und Leiblichen eine zentrale Rolle. Erst im wechselwirksamen Systemzusammenhang von körperlicher Partizipation, sinnlicher Adressierung und kognitiver Organisation emergieren sowohl phänomenale als auch semiotische Dimensionen des Verstehens oder Erlebens, die spezifische Verarbeitungs- und Speicherungsvorgänge medialer Impulse prägen.

Im Fokus der Tagung sollen die vielfältigen und komplexen Interaktion zwischen den Bildern, ihren Medien, und den Prozessen der Wahrnehmung und Verarbeitung stehen, die über ihre Verbindung mit somatischen und mentalen Prozessen erfasst und analysiert werden können. 

Damit einher gehen Fragen nach einer phänomenologischen und/oder semiotischen Analyse von Perzeptions- und Rezeptionsprozessen multimodaler dynamischer Artefakte, nach der diagrammatischen und zeitlichen Struktur bewegter Bilder (wie Filmen oder Computerspielen) oder nach der Rolle der sensomotorischen Prozessierung interaktiver Bewegtbilder und den damit verbundenen kybernetischen Steuerungsprozessen, die zwischen den Bildern und den Spielenden wirken, und als zentraler Teil ihrer spezifischen Rezeption angesehen werden müssen.

Die zu fokussierende Medientypen sind dabei bewusst offen gehalten: ob (stereoskoper) Film oder Computerspiele, Techniken zur Erzeugung von virtueller oder augmenter Realität usw., alle Technologien und Medien bewegter Bilder sind willkommen. 


2016

 

Immersion – Design – Art: Revisited. Transmedia Form Principles in Contemporary Art and Technology. Congress at the Muthesius University Kiel and University of Applied Sciences Kiel, Germany (19–21 May 2016).

 

Since Renaissance the aesthetics of immersion has always highlighted the emerging of new media technologies. Most recently this happened in the excited millennium debates, that stated a complete break with all traditional notions of reality under the impact of digital simulation: right up to an agony of the real. More than a decade later, this reality has proved to be extremely resistant, and the technologies of immersion have become a natural part of the everyday communication and aesthetic experience. The real artistic challenge hides itself in this ordinariness, because the pure media technology is not sufficient for an aesthetic difference, as yet believed in the birth years of Ars Electronica.

Contemporary art has always been media art, insofar the issue of the symposium is the possibility of a digital media art in the age of digital self-evidence. Even if the euphoria of the media theories in the 1980s and 1990s was characterized by a fixation on the technological moment, today the focus is on transmedial and multimodal continuities and refers to different types of media. This opens up new perspectives on the art and design of immersion as a formal principle that overcomes media boundaries, instead of repeating the traditional ontological question about the truth of the images. 

If the authors title a symposium Immersion – Design – Art: Revisited, they are aiming at independent media theoretical perspectives, where media art is neither a simple effect of media technology, nor the social reality of media is confused with the artistic imagination of media artists. Remember how reckless the Internet was celebrated in the early years as an emancipatory paradise: Freedom appeared to be an automatic function of technology.

But the disappointment over the loss of such utopias does not mean the end of the Internet art, instead a media art has become visible, which is more than a trivial side effect of technological optimism. Especially the moving images and the interactive images, which simultaneously adapt and modify the immersive potential of the dynamic images and its apparatusses. In them we find the oscillation between the desire for immediacy and the structure of hypermediacy - of immersion and reflection – from where the artistic dimension and perspectives arise. 

This also applies to design. Especially advanced simulation technologies often seduce to forget, that such mimesis is always aesthetic design. The image itself disappears by means of technological perfection and becomes completely transparent. The current trend on the approximation to the natural perception and interaction of multimodal displays and interfaces shows this with probably unprecedented Verve. The more advanced the technologies are, the more subtle aesthetic analysis and the design concept become, therefore the artwork does not want to disappear  under the smart surfaces new media. The analysis of this present design as well as it’s artistic reflection aims to a contemporary aesthetic of the digital. In particular of the digital moving image, which may needs to leave behind the extremes of Euphoria and Apocalypse, which once shaped the debate.


2017

 

Moving Images 2017: Mediality – Multimodality – Materiality: Concepts for Media and Image Studies in the Era of the »Technosphere«. Bilingual Conference of the Society of Interdisciplinary Image Science on Moving Images in Kiel, Germany, 4th to 6th May 2017.

 

The evolution of media has yielded masses of interfaces and display technologies, which concede and force novel multimodal types of representation. To consider these technologies in the context of contemporary image studies, an updated appreciation of media images needs to be added to the traditional concept of images, which derived from art history. We have to comprehend more than visual representation and visual perception to fully understand the structures of moving images, because they do not only address our vision, they address – modal or a-modal – all of our senses. This multimodal or multisensory understanding of images seems to be necessary to comprehend contemporary media technologies of interactive and digital moving images as well as future developments. 

Within this convergent media- and image-ecosystem, concepts like materiality, embodiment and agency become important in describing and analyzing the global formations and interactions of human and non-human elements, individuals and technological ensembles. Peter K. Haff describes this era of hybrid networks as »technosphere«, trying to characterize the dynamics of existing media ecologies. Therefore mediality, multimodality, and materiality can be used as fundamental concepts for a media- and image-theory of the »technosphere« – but there is a necessity to explore the sustainability, scope and interconnections of these interdisciplinary concepts.